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Besuch der Bundes-Drogenbeauftragten Bätzing im Odenwald

(Wir zitieren auszugsweise aus dem Bericht von Manfred Giebenhain im Odenwälder Echo vom 21. 01. 2009 - Link: Echo

 

„Sensibilisierung besser als Strafen“

Suchtprävention: Drogenbeauftragte der Bundesregierung informiert sich über Projekte

ERBACH. Flatrate-Partys und Komasaufen, Zigaretten rauchende Kinder und Jugendliche, die mit Wodkaflaschen unterm Arm bei Dunkelheit Richtung Stadtpark unterwegs sind. Der Missbrauch von legal erhältlichen Drogen hat viele Gesichter, die Beteiligten werden immer jünger.

Um dem Treiben Einhalt gebieten zu können, seien aber keine neuen Gesetze und auch keine härteren Strafen erforderlich, waren sich am Montag Fachleute aus der Gesundheits-, Bildungs- und Beratungsarbeit einig mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Sabine Bätzing. Die 33 Jahre alte Bundestagsabgeordnete, die das Amt vor vier Jahren übernommen hat, verfolgt andere Pläne: „Es geht um Sensibilisierung“, womit Bätzing die Erwachsenen bei ihrer Vorbildfunktion und die Minderjährigen einbezieht.

Anlass für den Besuch bot die Vorstellung des Rauchpräventionsprojekts „Ohne Kippe“ und der neuesten Vorschläge des Arbeitskreises Suchtprävention zur Verbesserung des Jugendschutzes im Odenwaldkreis. Ort der Zusammenkunft war das Selbsthilfe- und Informationszentrum des DRK-Kreisverbands. Das steht repräsentativ für die Anstrengungen des Wohlfahrtsverbands im Kampf gegen Suchtgefahren und ebenso für das aus öffentlichen Einrichtungen der Kreisverwaltung, des Gesundheitszentrums (GZO), des Staatlichen Schulamts, der DRK-Fachstelle für Suchtprävention und drei Schulen bestehenden Netzwerk. Dieses erreicht seit Jahren mit seinem Aufklärungs- und Schulungsprogramm alle sechsten Klassen der Odenwälder Schulen.

Amtsärztin Antje Siebel ging kurz auf die Inhalte ein: „Hier wird über zwei ärztliche Fachvorträge, die Demonstration einer Lungenspiegelung und eine Patientendiskussion der Dialog mit den Schülern gesucht.“ Beeindruckt und betroffen zeigten sich viele der rund 1000 Teilnehmer im Jahr von den Schilderungen der Patienten, so Siebel.

„Die Kinder erfahren in den Gesprächen und mit dem Angebot eine persönliche Wertschätzung“, ergänzte Horst Schwinn, Oberarzt für Innere Medizin am GZO, das die Räumlichkeiten für das in der Heidelberger Thoraxklinik entwickelte Präventionsprojekt zur Verfügung stellt. Die Rückmeldungen bestätigten, dass sich insbesondere Kinder von rauchenden Eltern besorgt über deren Verhalten äußerten. „Ob jemand Raucher wird, entscheidet sich meist vor dem 20. Lebensjahr“, erläuterte Schwinn.

Möglichst früh ansetzen will auch der Arbeitskreis Suchtprävention, für den Horst Weigel von der DRK-Fachstelle die neuesten Vorhaben präsentierte. In der Bevölkerung fänden die Gefahren, die mit übermäßigem Alkoholgenuss einher gehen, ebenso wie die gesetzlichen Bestimmungen zu wenig Beachtung, kritisierte Weigel. Provokativ fügte er hinzu: „Zum Kulturgut im Odenwald gehört es, dass frisch konfirmierte Jugendliche betrunken und johlend durch den Ort ziehen.“

Da weder die Jugendschutzbestimmungen noch das Gaststättengesetz überall Anwendung fänden, soll eine Aufklärungskampagne Abhilfe schaffen. Eine Selbstverpflichtung des Kreises und seiner Kommunen – vergleichbar mit der vor Jahren erfolgreichen Allianz gegen Alkopops –, bei allen öffentlichen Veranstaltungen ein attraktives alkoholfreies Getränk 20 bis 25 Prozent günstiger als das billigste alkoholische anzubieten, dürfte sowohl zum Nachdenken als auch zum Rückgang des Alkoholkonsums unter jungen Menschen beitragen, schlug Weigel vor.

Bätzing rief zu Zivilcourage auf, junge Menschen auf ihren Gebrauch von Suchtmitteln anzusprechen und den Zugang dazu zu erschweren: „Der Mangel besteht vor allem im Vollzug.“ Die Fachfrau begrüßte Vorschläge aus dem Publikum, Eltern stärker in Verantwortung zu nehmen und Vorbeugungsprogramme mehr in den Unterricht zu integrieren.

Manfred Giebenhain
21.1.2009


Die Website der Drogenbauftragten finden Sie hier:

 

 

 [Foto: DRK]